Isegrim

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Der Wolf ist wieder da. Schon längere Zeit treibt er sich auch in meinem Bundesland (Niedersachsen) herum. Nach seiner Ausrottung im 19. Jahrhundert, fand er bis Ende des 20. Jahrhunderts langsam wieder in unsere Breiten zurück. Nun erobert er sich die alten Jagdgründe langsam zurück. Es gibt mehr und mehr Rudel. Aus meiner Sicht völlig okay! Denn wie das Raubtier Mensch gehört auch der Wolf zu Mitteleuropa. In gewissen Abständen ploppen nun immer wieder Meldungen auf, in denen – nach erneuten Wolfsrissen – häufig das Abschießen dieser Tiere gefordert wird. Das Erlegen einer Beute gehört allerdings zur Natur der Wölfe. Es dient dem Überleben des eigenen Rudels. Natürlich machte man sich auch in unserem Umweltministerium Gedanken darüber. Es wurde dann verboten, Wölfe aus der Natur zu entnehmen, sprich: Sie abzuschießen. Dennoch sollen natürlich Ängste ernst genommen werden. Es gibt sogenannte Wolfsberater, die mit Ratsuchenden über entsprechende Schutzmaßnahmen diskutieren. Ferner klären sie im Bedarfsfall Bevölkerung und Jägerschaft auf. Bei Wolfsrissen werden sie hinzugezogen, um etwaige Entschädigungen zu prüfen. In Einzelfällen wird einem Abschuß von Problem-Wölfen zugestimmt.

In Niedersachsen wurden in 2020/2021 bisher 311 dieser Wolfsrisse registriert (Stand Februar 2021). Zunächst klingt das viel. Man sollte allerdings die Relation betrachten, denn flächenmäßig ist Niedersachsen relativ groß. Vor allem starben im genannten Zeitraum aber weitaus mehr Nutztiere, die wir Menschen auf dem Gewissen haben! Diese ohnehin todgeweihten Kreaturen starben nämlich in sogenannten Tier-KZ’s. Das ist ein anderes Wort für Mastanlagen. Dort werden diese armen Geschöpfe artfremd gehalten. Sie siechen, zusammengepfercht mit tausenden Leidgenossen, in viel zu engen Ställen dahin. Ohne Auslauf, oft krank oder von anderen Tieren verletzt (Kannibalismus), vollgepumpt mit Antibiotika, gefüttert mit Tiermehl oder Sojaprodukten. Mehrmals die Woche kommt ein großer LKW aus der Abdeckerei. Der Tierzüchter kippt dann mit Hilfe eines Radladers die Kadaver der Tiere auf dessen Ladefläche, die diese Art der Aufzucht nicht durchhielten. Daraus wird dann Seife produziert… Dieses Elend interessiert jedoch kaum jemanden. Es steht auch nicht in den Zeitungen. Wird davon etwas bekannt, konsumieren wir deshalb kaum weniger Fleisch. Wir blenden diese Gegebenheiten einfach gern aus, wir wollen ja weiterhin günstiges Fleisch im Supermarkt schoppen.

Der Wolf mag also ein Raubtier sein, richtig! Wir Menschen selbst, sind aber die viel größeren Räuber! Wir rotteten auf unserem Planeten bereits viele, viele Tierarten aus und machten uns kaum Gedanken darüber. Nach einem kurzen Revival, wird dieses Schicksal wahrscheinlich auch den Wolf ereilen. Dann aber endgültig…

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