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Das aktuell in allen Medien geforderte Social-Media- oder Handy-Verbot für Jugendliche wäre höchstens Teil der Lösung. Handysucht und oder das ewige Daddeln am IPad ist nämlich ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Sitze ich in der Bahn oder im Wartezimmer meiner Hausärztin, starren nicht nur Kinder und Jugendliche auf ihr kleines Wunderding – neun von zehn Erwachsenen tun es ebenfalls!Â
Selbst Paare schenken lieber dem digitalen Zeitfresser ihre Aufmerksamkeit als einander. Sogar beim gemeinsamen Essen in einem teuren Restaurant. Â Das bedeutet Romantik pur – zwei Menschen, ein Tisch, zwei Displays. Als ich das sah, konnte ich es nicht glauben.
Kürzlich stieg eine komplette Fußballmannschaft in die U-Bahn. Es war erstaunlich wohltuend, diesem lebhaften Entengeschnatter zuzuhören. Kein einziger der acht- bis zehnjährigen Jungen hatte sein Handy dabei.
Der Betreuer erklärte mir auf Nachfrage den Grund dafür: Vor Training und Spiel werden die Geräte eingesammelt – so die Vereinbarung. Diese wurde mit den Jungs und ihren Eltern im Vorfeld so abgestimmt. Ganz einfacher Plan, große Wirkung!
Die Jungen lernen nun neben dem Fußball auch das etwas in Verruf geratene, analoge Miteinander. Wie wertvoll ist das denn? Vielleicht sollten wir Erwachsenen uns daran ein Beispiel nehmen, statt vorschnell Verbote zu für unseren Nachwuchs zu fordern.
Erinnert ihr euch noch an die Aufregung um die Tamagotchis Ende der 90er? Unsere Kinder nervten, weil sie so etwas unbedingt haben wollten. Wir widerstanden! Denn diese Teile waren mehr als nutzlos, Â aber trotzdem sehr fordernd.
Heute sind Smartphone unser aller Tamagotchis – natürlich deutlich raffinierter. Und wir merken‘s nicht mal …

