Persönlicher Brief an einen Freund…

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Lieber Donald,

aus rein europäischer Sicht – also nüchtern, sachlich und völlig uneigennützig – wäre es strategisch ausgesprochen klug, wenn die USA künftig zu unserem Kontinent gehörten. Kurz gesagt: Wir würden Ihr Land freundlicherweise übernehmen.

Unter der aktuellen Führung fühlen wir uns nämlich ein kleines bisschen… nun ja… weniger sicher. Das werden Sie als ausgesprochener Freund klarer Worte sicher sofort verstehen. Außerdem möchten wir höflich darauf hinweisen, dass wir in Summe mehr Einwohner haben als die USA – Demokratie geht schließlich nach Köpfen, nicht nach Lautstärke.

Grönland gehört verwaltungstechnisch ohnehin schon seit Jahren zu uns. Sie müssten sich also nicht länger mit dieser Insel herumschlagen. Eine Sorge weniger! Wir wissen ja, wie belastend solche Details sein können.

Selbstverständlich garantieren wir Ihnen volle Autonomie in Ihrem Golfclub. Dort dürfen Sie weiterhin uneingeschränkt das letzte Wort führen, jedes Turnier gewinnen und Ihr Handicap behalten – ganz gleich, was die Realität sagt.

Eine zeitnahe Übergabe wäre aus unserer Sicht problemlos machbar. Sie müssten lediglich Kontakt zu einem unserer Büros in Brüssel oder Straßburg aufnehmen. Keine Sorge: Papierkram übernehmen wir. Erfahrung haben wir ja.

Was den Friedensnobelpreis betrifft: Wir würden uns stattdessen erlauben, etwas Passenderes zu verleihen. Etwa den „Goldenen Olivenzweig am Gummiband“ für besonders kreative, aber leicht unberechenbare Friedensinitiativen. Alternativ den „Diplomatischen Wattebausch“ für außergewöhnlich sanftes, manchmal kaum spürbares Herantasten an heikle Themen.

Schlafen Sie ruhig noch eine Nacht darüber.

Oder zwei.

Oder vier.

Mit europäisch-herzlichen Grüßen

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