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Am vergangenen Wochenende reisten wir mit der Bahn nach Kiel – ein kleines Abenteuer ganz ohne Zusatzbuchung. Hin- als auch Rückfahrt waren reich an Verspätungen und Zugausfällen. Wir waren jeweils doppelt so lange unterwegs wie sonst. Fahrpläne erwiesen sich als gut gemeinte Vorschläge.
Trotz der widrigen Umstände blieben Mitreisende erstaunlich gelassen: Ein wenig genervt, ja, aber überwiegend freundlich. Auch das Zugpersonal zeigte sich hilfsbereit und bemüht – offenbar wusste man gemeinsam, dass Improvisation gerade zur Grundausstattung gehört.
Später hörte ich in den Nachrichten einen Sprecher von ProBahn. Er warf der DB-AG überheblich u.a. jahrelanges Kaputtsparen vor. Natürlich: Es muss investiert werden. Allerdings in die gesamte Infrastruktur unseres Landes. Das ist keine bahnbrechende Erkenntnis. Offenbar sind die komfortablen Zeiten vorbei – vielleicht wurden wir zu lange verwöhnt.
Ein wenig mehr Demut täte uns allen gut. Und bei aller berechtigten Kritik sollten wir nicht vergessen: Wir haben gerade nichts anderes, als einen richtigen Winter! Schnee, Kälte, Überraschungen – alles inklusive. Und dafür lief unsere Reise eigentlich erstaunlich reibungslos.
Liebe Bahn, danke dafür! Mit dem Auto würden wir vermutlich noch immer irgendwo in einer Schneewehe auf Erlösung warten …

